Montag, August 22

Youth Avoiders - Spare Parts E.P.



Band: Youth Avoiders

Titel/Release: Spare Parts/EP (Digital, 7" in Planung)

Label: Deranged Records, Destructure Records, Build Me a Bomb Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Hardcore-Punk, Punk

FFO: Clowns, Gatherers, Dean Dirg

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Last.fm



Kurzinfo:

Es gibt sie also doch noch. Wäre ja auch zu schade gewesen, hätten sich die fünf (Wahl-)Pariser Punk-Veteranen nach ihrem 2013er Hit-Album klammheimlich aus dem Staub gemacht. Seit 2009 gibt es die Youth Avoiders bereits, die sich aus einer Menge B-Prominenz der französischen Undergroundszene wie Black Spirals, Youssouf Today, Toad Flanders, Noisy Champs, Peur Panique oder RIXE zusammensetzt. Dennoch hat sich das Quintett nicht erst seit dem Album zu einer Art Main Act entwickelt. Schon auf den vorherigen EP's ließ sich erahnen, dass die Hauptstadtkatakomben irgendwann einmal nicht mehr ausreichen würden, denn die Youth Avoiders hatten von Anfang an ihr eigenes Verständnis vom Hardcore-Punk: eine rotzige Attitüde verpackt in treibenden Melodien. Das kennt man in etwa auch von Refused zu Zeiten von "The Shape of Punk to Come", die ihre fast schon mainstreamigen Melodien mit Lyxzén's räudiger Schreistimme immer wieder zurück in den Punk lotsten, aber auch von artverwandten Vertretern wie Kvelertak, Pulled Apart By Horses oder Every Time I Die. "Spare Parts", ihr fünftes Release (allesamt als PWYW-DL auf Bandcamp), führt den Gedanken des vorangegangenen Albums nun nicht nur weiter fort, sondern setzt ihm auch noch eine gehörige Schippe Melodie und Eingängigkeit oben drauf. Vier Songs, die sich abermals unterhalb der Zwei-Minuten-Grenze bewegen und ohne Umwege ihr Ziel erreichen. Mittlerweile kommt die Band ohne Orgel aus. Dennoch haftet der EP, allem voran "Crushing Machine" und "Face Up to It", eine dezente Garage- und umso größere Punk'n'Roll-Note an.
Ich sage es mal so: "Spare Parts" ist nur deshalb keine Pop-Punk-EP geworden, weil sich Sänger Christopher Gaultier noch einiges an Wut im Bauch aufgespart hat und seinen Stimmbändern der Schmutz vergangener Chaostage anhaftet.

Im März/April dieses Jahres waren Youth Avoiders auf großer US-East-Coast- und Puerto Rico-Tour. Mit dabei waren auch die Garage-Punks (Aha!) Stalled Minds, dem jüngeren Nebenprojekt von YA-Gitarrist Christoph Schmidt und -Drummer Marlon Roux.

DL Spare Parts E.P.

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Donnerstag, August 18

Hollywood Trash Vol.6


FAMOUSxPERSON



Warum unnötig Zeit damit verschwenden, eine passende Berühmtheit zu suchen, um sie anschließend für den eigenen Bandnamen zu adaptieren, wenn es doch auch so funktioniert, wie im Falle des kalifornischen Duos FAMOUSxPERSON? Wir wissen ja schließlich, was uns erwartet, denn: ob's tatsächlich um Hardcore geht, siehst du, wenn ein X drin steht (Gerda-Weisheit #2). Auch an ihrer selbstbetitelten Debüt-EP, für deren sporadisches Cover die berühmte Person Suge Knight herhalten darf, wollen sich die zwei umtriebigen Veteranen aus der HUMBOLDTxCOUNTY-Szene (u. A. Komatose, IGNiT, Desenfreno, Lie Still, iMPLeMeNTO, Tortured Conscience, Utter Bastard, uvm.) gar nicht lange aufhalten. Neun Songs, sieben Minuten, und wahrscheinlich sind die beiden schon wieder damit beschäftigt, neue Combos zu gründen. Ist ja eigentlich auch alles gesagt, was Powerviolence- und Fastcore-Heads ansprechen dürfte. Knarzendes Bassgeschrammel, Trommelfeuer, räudige Growls und spastisches Gekeife. Dazu eine herrlich asoziale Attitüde, wie ich sie schon von unseren zwei Jungs von BATTRA// abfeierte.

FACExBOOK

DL S/T Demo



Neil Perry

Myspace\\//Last.fm
Keine Ahnung, ob sich die ehemalige Screamo-Band Neil Perry aus New Jersey nach dem australischen Star-Koch benannt hat (der gleichnamige Schlagzeuger einer populären Geschwister-Band dürfte wohl außer Frage stehen), aus der Band selbst trug jedenfalls keiner diesen Namen. 
Die vierköpfige Band existierte in den Jahren 1998 bis 2002 bzw. 2003 und brachte es auf vier EP's, fünf Splits und einem Compilation-Album, wovon derzeit nur ihre Split-EP mit den ebenfalls aufgelösten Screamoviolencern A Days Refrain auf offiziellen Weg gedownloaded werden kann. Einen (inoffiziellen) Gesamteindruck kann mensch sich übrigens HIER verschaffen. Folge-Projekte der Mitglieder waren und sind u. A. You and I, Joshua Fit for Battle, Welcome to the Plague Years und die weitaus bekannteren Hot Cross.
Zu hören gibt's Millenium-typischen Screamo, der mühelos den Spagat zwischen tollen Emo-Melodien und zerfahrenen Violence-Attacken packt und somit eine wunderbare Kombination aus Herzblut und Wut schafft. 


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La Tumba de Nicolas Cage

Bandcamp\\//Soundcloud\\//Myspace
La Tumba de Nicolas Cage, was frei übersetzt soviel bedeutet wie "Das Grab von Nicolas Käfig", ist eine dreiköpfige Band aus dem spanischen Torrelavega, die seit dem Jahre 2010 aktiv ist und aus bereits szene-erfahrenen Mitgliedern besteht (u. A. OsoLuna, TheRoom). Mit dem Bandnamen könnte mensch eigentlich aufgeregten Post-Punk oder angeschrägten Indie verbinden, stattdessen liefert das Trio instrumentalen Post-Rock, der zu keiner Zeit eine Stimme vermissen lässt. Allein die vier Songs auf ihrer gemeinsamen Split-LP mit ihren autonomen Landsmännern Témpano (die sich auch eine Split-EP mit den Göttingern_innen von te:rs teilen) erweisen sich als äußerst abenteuerlich und begeben sich auf eine weitreichende Reise durch das schier unendliche Genre. Auf der Basis von sphärischen Soundscapes, ändern die Songs immer wieder die Richtung, brechen die schwelgerische Melancholie mit treibenden Riffs auf oder verlieren sich in spacige Höhen. Fans von Explosions in the Sky, God is an Astronaut und ASIWYFA könnten hier alle gemeinsam auf ihre Kosten kommen.

DL Split-LP w/ Témpano '\-_-/` A-Seite <-> B-Seite
DL Complete Split-LP
DL Demo

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Harrison Fjord

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Als bekennende Star-Wars-Fans ist es natürlich legitim, sich als Band nach einem der Hauptakteure der Weltraum-Saga zu benennen, in leicht abgewandelter Form versteht sich. Im Bezug auf ihre Musik hätte es "Pink Fjoyd" aber vielleicht besser getroffen. Egal, sie heißen Harrison Fjord und spielen jene Art von halluzinogenen Psychedelic, den ihr Idol wohl noch im Original miterleben dürfte.
Um den knallbunten und spacigen Trip auf "Puspa in Space", der Debüt-EP des Septetts aus Chandler, AZ, demnach stilecht genießen zu können, braucht es nicht mehr als eine Trompetenhose, eine volle Lockenmähne auf dem Kopf und unter den Achseln und ein paar Blotter.
Wer es weniger smooth, dafür umso abgedrehter mag, dem/der kann ich auch wärmstens The USA is a Monster ans Herz legen.




Jeff Bridges

JB Homepage\\//JB Facebook
Kein Fake, das hier ist der Dude himself. Wer Jeff Bridges bislang auch fernab seiner Schauspielkarriere Beachtung schenkte, dürfte vom musikalischen Treiben des gebürtigen Kaliforniers durchaus schon Wind bekommen haben. "Sleeping Tapes" ist bereits sein drittes Album, hinzu kommt noch das "Live"-Album mit seiner Tour-Band The Abiders.
"Sleeping Tapes" ist, wie der Titel bereits verrät, ein Gute-Nacht-Album. Fünfzehn Spoken-Word-Songs, untermalt mit sanften Pianoklängen, minimalistischen Drones, hauchzarten Electronicas und Naturgeräuschen, die von Keefus Ciancia (Unloved), u. A. für den Soundtrack von "True Detective" verantwortlich, zu einem ambienten Score zusammengeschustert wurden. Dazu brummelt uns Jeff's sonore und beharrliche Stimme sämtlichen Alltagsstress von der Seele. Anders als seine bisherigen Country-Alben, ist "Sleeping Tapes" ein therapeutisches Werk, ein Entspannungsalbum, das uns behutsam in den Schlaf wiegen soll. Und wenn Mensch sich darauf einlässt, kann das sicherlich auch wunderbar funktionieren.
Der Erlös aus den Downloads und den bereits restlos vergriffenen Tape- und Vinyl-Releases kommt übrigens komplett der amerikanischen Organisation No Kid Hungry zu Gute.




Sonntag, August 14

Jake Bellissimo - Piece of Ivy EP



Band: Jake Bellissimo

Titel/Release: Piece of Ivy/EP (30x 7" Lathe Cut, Digital)

Label: Drunk With Love Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Singer/Songwriter, Indie(-Pop), Folk, Art-Pop

FFO: Sufjan Stevens, Andrew Bird, Jon Kohen

Links: Bandpage\\//Facebook I\\//Facebook II\\//Bandcamp\\//Youtube\\//Twitter\\//Last.fm



Kurzinfo:

Mit seinem Alter Ego Gay Angel hat der amerikanische Wahl-Berliner und Musikstudent Jake Bellissimo erst im letzten Jahr seine Tetralogie "floral" fertiggestellt, eine 100-Song-Soundcollage verfältigster Klangexperimente rund um die Themen Alltag und Streben nach Glück. Klar, dass ihm bei einem derartigen Tatendrang mittlerweile gehörig die Decke auf dem Kopf fällt. Unter seinem bürgerlichen Namen näherte er sich in den letzten neun Monaten nun wieder den klareren Singer/Songwriter-Folk-Strukturen an, was nach dem vorangegangenem gemeinsamen Piano-Experiment mit Andrew Langman in dieser Form nicht zwangsläufig zu erwarten war. Mit freundlicher Unterstützung von einigen altbekannten Weggefährten (u. A. Trompeter Nick Piato und Sänger/Bassist Acadia Braxton-Barto) entspringen "Piece of Ivy" nicht nur unbeschwert-leichte Indie-Folk-Pop-Nummern wie der eröffnende Titeltrack oder "Swan Song", sonder auch der fast schon im Alternative verankerte Hit "Munich" und die herrlich an 60er-Jahre-Liebesschnulzen erinnernde Pop-Ballade "(A considerable amount of) "Ow"", dem mit "The Burning Sky" eine Musical-Arien-mäßige Einleitung beiseite gestellt wird. Somit entpuppt sich "Piece of Ivy" zum Ende hin dann doch wieder als ein vielseitiges Werk, dass vielleicht auch deshalb mehr unter dem Begriff Art-Pop läuft. So ist das halt, wenn man als Musiker versucht, eingefangene Lebensgefühle in akustische Signale umzuwandeln.

DL & BUY "Piece of Ivy" Here & Here

Mittwoch, August 10

Kuballa - Auf dem Weg durch die Zeit EP



Band: Kuballa

Titel/Release: Auf dem Weg durch die Zeit/EP (100x Clear & 200x Black 7"-Vinyl, Digital)

Label: KBLA RCRDS/DIY

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Punkrock, Emo, Deutschpunk

FFO: Edgar R., Captain PlaneT, Love A

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Myspace\\//Last.fm



Kurzinfo:

Bereits in der jüngeren Vergangenheit der Ludwigsburger Band Kuballa ging es recht turbolent zu: etliche Besetzungswechsel, die schließlich auch eine Umbenennung (ehemals Gerda Kuballa) nach sich zogen; beiläufige Nebenprojekte wie die pseudo-frankophonen Power-Popper Amélie & Les Sucettes; eigenes Label (KBLA RCRDS); eigene Radioshow ("Lazy Sunday" auf dem Freien Radio Stuttgart an jedem vierten Sonntag im Monat); und zuletzt auch noch Ärger mit einer Fehlpressung ihrer zweiten EP "Auf dem Weg durch die Zeit" (der 1. Song doppelt, der eigentlich 4. gar nicht drauf). Dabei hängt an der eigentlichen Bandhistorie ein noch wesentlich längerer Rattenschwanz, der die (ehemaligen) Beteiligten bis in die Spät-80er zurückzieht. Dem Gerücht nach, resultierten Kuballa gar aus der ehemaligen Soli-Verbindung Gruppe 14/2, die sich neben der Widmung gemeinnütziger Organisationen vor allem aber gegen die Atomkraft engagierte.
Mittlerweile ist die Band im Hier und Jetzt angekommen und fand im letzten Jahr mit Minutes From Memory-Schreihälsin Marta, die sich fortan bei Kuballa die Gitarre um den Leib schnallte, ihr vorläufiges, vielleicht sogar endgültiges Line-Up. Natürlich drückt sich die gesammelte Erfahrung der zum Teil Anfang-40er auch auf ihren routinierten Sound nieder. Dennoch klingen die vier Songs auf "Auf dem Weg durch die Zeit" zu keiner Zeit nach Alte-Herren-Rock, als vielmehr aufgewühlt und forsch nach vorne treibend. Eine frische Brise, die auch direkt vom Hamburger Elbhafen hinüber ins Schwabenland gezogen sein könnte und nicht den Anspruch erhebt, das Rad neu erfinden zu wollen. Allerdings bewegen sich Kuballa auch ein ganzes Stück weit weg vom angepriesenen Minimalismus, womit sie sich scheinbar selbst gerne unter den Scheffel stellen. Kuballa liefern eingängige Songs ab, in denen sich messerscharfe Gitarren schneiden und druckvolle Riffs bohren und die mit aufgeregt-leidenschaftlichem, teils aggressivem Gesang genau den Nerv der Zeit treffen. Wenn die Jungs und das Mädel das live auch so herüberbringen, wird es sicherlich ganz schwierig, die Tanzbeine still und die Aussprache trocken zu halten.

STREAM "Auf dem Weg durch die Zeit"

Buy Here or via Mail to: info@kuballa.org


Samstag, August 6

Die Bandcamp-Punks Vol.27

Routeens



Manchmal kann Punk auch ein unkompliziertes Vergnügen sein, so wie im Falle der jüngst gegründeten Band Routeens. Im Gießener Quintett finden sich u. A. Mitglieder von Kick It!, The Hip Nuns und Berlusconi Headshot wieder, die gemeinsam melodischen Punkrock und treibenden Garage miteinander vermengen, inklusive direkter Ansagen. So finden sich auf ihrem selbstbetitelten Demo-Debüt sechs Songs ein, die sofort ins Tanzbein wandern und in ihrer simplen Art so rein gar nicht den Anspruch hegen, das Rad neu erfinden zu wollen. Angeführt von einer herrlich angenervten Sängerin, die gelegentlich von einigen Backgroundchören zur Heiterkeit animiert wird, erinnert das Ganze dann im Hinblick auf die hiesige Szene an Kombos wie Kenny Kenny Oh Oh, Femme Krawall oder Gurr.

Facebook

DL S/T Demo

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Honeymoon

Bandpage\\//Vimeo
Ich habe keine Ahnung, ob Namedropping immer im Sinne des jeweiligen Künstlers ist. Ist mir ehrlich gesagt aber auch egal, denn ich für meinen Teil habe so schon eine Menge anderer toller Bands entdecken können, die mir ansonsten wohlmöglich nicht in die Ohren gerutscht wären. Los geht's! Die Mitglieder von Honeymoon verteilen sich nicht nur auf die Städte Nürnberg, Erlangen und Leipzig, sie waren vorher und nebenbei auch in Hardcore-Punk-, Punk- und Screamo-Gruppen wie Vengeance, White Boy Problems, The High Society, Leidkultur, I Refuse oder Rêche aktiv.
Mit Honeymoon haben sie seit 2014 ein Projekt am Laufen, mit dem sie sich nicht zwangsläufig wiederholen wollen, allerdings ihrer Linie treu geblieben sind und gegenläufig zur Assoziation mit dem Bandnamen eine Art Kein-Spaß-Punk spielen. Drei Akkorde reichen der Band zumeist aus, um daraus eine unprätentiöse aber durchaus treibende Masse zu formen, der stets etwas Twang nachhallt und mit verbitterten wie aufgeregten Gesang gen 80er-Jahre-Hardcore-Punk und -Wave schielt. 
Neun locker in der Hüfte sitzende Songs beherbergt ihr Debüt-Lonplayer, der als Tape über Jean-Claude Madame erschienen ist und dessen Vinyl-Variante noch in der Planung feststeckt (über Taken by Surprise Records).



Desastro

Bandpage\\//Vimeo\\//Bandcamp
Und weil mir Namedropping so viel Freude bereitet gibt's gleich nochmal Nachschlag. Nicht von ungefähr, denn bei Desastro mischen nicht nur Leute von Smart Ass Dynamite & The New Generation of Destructive Entertainment und Here Comes Conclusion mit, sondern auch von eben vorgestellten Honeymoon und entsprechenden Nebenkombos. Vor allem im Hinblick auf die beiden Erstgenannten dürfte klar sein, dass die Grenzen des herkömmlichen Punkrocks für die Musik von Desastro zu eng bemessen sein dürften, obwohl sich auf ihrer zweiten, selbstbetitelten EP fast nur Ohrwürmer tummeln. Fast schon selbstverständlich entgleiten der Nürnberger Band die eingängigen Melodien, die über der EP verteilt mit etwas Cold Wave, Noise, Deutsch- und Post-Punk verfeinert werden, mit ein paar härteren Riffs aber auch den Hardcore-Punk nicht vollkommen außer Acht lassen.
Im Februar diesen Jahres spielte die Band ihr Abschiedskonzert und hinterließ der Hörerschaft ihr Demo und die EP gegen Spende auf Bandcamp. Die 2013 über Jean-Claude Madame erschienenen Demo-Tapes sind bereits restlos vergriffen.




Atmen, weiter...

Bandpage\\//Last.fm
Als ich den Bandnamen Atmen, weiter... das erste Mal las, musste ich sofort an die mittlerweile verflossenen Der Trick ist zu atmen denken. Ein ziemlich schlichter Gedankengang, ich weiß, der sich nach einem ersten Hördurchlauf ihres Demos "Die fabelhafte Welt der Lethargie" auch schnell wieder verflüchtigte, denn bis auf die clever ausgeklügelten Lyrics und ein paar dezente Hardcore-Punk-Anleihen, hat die Mainzer/Landauer Band mit ehemaliger Burn/It/Out-Beteiligung nicht wirklich viel gemein mit den ehemaligen Hamburgern. Vielmehr tobt sich das Trio auf dem viel beackerten Post-Punk-Feld aus und erinnert in seiner angerauhten Art an die allseits bekannten Trbstt. "K-Pax 2.0" plätschert etwas abseits davon im eingängigen Indie-Punk herum und "Haus/Hell" mündet nach seichtem Einstieg gar im Düster-Screamo. Das sind natürlich alles altbekannte Zutaten, die allerdings souverän zusammengemixt wurden. Und wer nebenher noch McLusky zitiert (aus "Balbo's Theme" im Non-Demo-Track "Die Scheissheit"), der hat bei mir ohnehin ein Stein im Brett.
Das besprühte Demo-Tape kommt übrigens in selbstgebastelter und handnummerierter Papphülle mit Textblatt und Sticker.


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Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t.

Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp\\//Soundcloud
Ich sag's euch, die Bandnamen und Musik werden immer interessanter und natürlich zieht sich auch im Falle von Das Tante Mathilda P.r.o.j.e.k.t. das Namedropping wie ein roter Faden durch das 27. Bandcamp-Punk-Volumen. Diesmal aber durchaus berechtigt, denn die vier Düsseldorfer_innen um Sängerin Lotte Lindex sind allesamt bekannte Gesichter aus dem AK47-Umfeld und diverser Punk-Gruppen wie Die Schwarzen Schafe, Saigoons, Scum and Nancy, Punk-O-Mat (Karaoke mal anders, geile Nummer!) The Lazy Bombs und Marshmallow Muschis, die sich selber eher als Konglomerat bzw. Projekt sehen. Bleibt also abzuwarten, wie lange es das Quartett am Laufen hält. Zunächst einmal steht ihre Debüt-EP "...und der freie Fall" zu Buche, die auf Tape und CD als Co-Release zwischen Racoone Records und My Delight Records erscheint. Darauf zu finden sind fünf Songs, die zwischen satten Alternative Rock und Stoner umherpendeln und eigentlich nach etwas Größerem verlangen, als einem AZ. Tonangebend ist dabei ganz klar die kräftige Stimme von Lotte, die den Songs energetisch in feinster Cristina Llanos-Manier (Dover) oder rotzig-poppig á la Maria Mummert (MIA.) und Judith Holofernes, aber auch avantgardistisch an Amanda Palmer erinnernd, vielen Gefühlsschwankungen unterzieht.


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20 Liter Yoghurt

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Viele verschiedene Eindrücke zu verarbeiten, galt es auch auf der Debüt-EP "HeartCore" der Grimmaer Band 20 Liter Yoghurt, die wir hier erst vor ein paar Monaten vorgestellt hatten. Auch auf "Thoughts of the Modern Youth", ihrem quasi dritten Demo-Release, das diesmal auch in einer limitierten und selbstgebastelten CD-Auflage erscheint, wollen sich die vier Sachsen stilistisch noch immer nicht genau festlegen. Authentischer Hardcore-Punk und ansteckender Melodic Hardcore kämpfen um die Vormachtstellung, zwischendurch und in ihrer Art unerwartet glänzen die Alternative-Nummern "Animals" und "Our World", mit denen die Band einen nostalgischen Sprung zurück in die spröden 90er wagt. Ihre tollen Melodien stülpen 20 Liter Yoghurt über direkte Texte, die in ihrer Einfachheit sicherlich keine große Erleuchtung bringen. Im Opener "Aryan" (bereits auf dem '15er-Demo, Artikel zum rechtsextremen Mode-Label HIER) klingen die sich überschlagenen Lyrics stellenweise gar etwas zu sehr in die Melodie gepresst. Egal. Die Probleme heutzutage sind nunmal die gleichen, wie vor zwanzig Jahren. Was soll Band da schon großartig rumschwafeln?


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Useless (Winterthur)

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Wesentlich mehr dem 90er-Alternative/Grunge zugehörig, fühlen sich die drei Jungs um Bassistin Sarah von Useless aus Winterthur, womit unsere Schweizer Wochen auch in diesem Beitrag vertreten sind. Nicht nur Sänger und Gitarrist Nik Petronijevic kann mit seinen Vorbands The Stifflers, Molotov Rocktail und seinem jüngeren Solo-Projekt King Contradiction schon auf einiges an Banderfahrung zurückgreifen, auch Zweit-Gitarrist Flurin Wäger und Schlagzeuger Lukas Wäger (Fake Empire) sind keine unbeschriebenen Blätter mehr. Dass bei einer Alternative/Grunge-Band ausgerechnet die Bassbesetzung zum ersten Mal auf der Bildfläche erscheint, ist nur eine Sonderbarkeit von Useless. Vor allem aber ihr ungewöhnlich düster-grummelnder Retro-Sound mit den Nirvana- und später auch The Vines-typischen, langezogenen Interjektionen (aaaaaah, yeeeeeah, usw. ;) dürfte Nostalgikern ein sehnsüchtiges Lächeln abgewinnen können. In der Quintessenz beider Bands bewegt sich der Sound von Useless, die diesbezüglich sehr offen mit ihren Referenzen umgehen. Im epischen EP-Closer "Thoughts of a Suicide" weicht die Band sogar nochmal Sludge-doomig Richtung Melvins aus. Wenn schon 90er, dann eben richtig.




Rivers & Tides

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Mensch muss schon wahnsinnig aufpassen, dass Rivers & Tides nicht spurlos an einem/einer vorbeiziehen. Ihr selbstbetiteltes Demo-Debüt, das als Tape über Koepfen erschien und natürlich schon restlos vergriffen ist, liegt nun schon zweieinhalb Jahre zurück. Es folgte ein exklusiver Sampler-Beitrag und anfang 2015 klammheimlich ihre zweite EP "Shelved", auf der die fünf Regensburger abermals ein Melodiefeuerwerk aus Alternative, Pop-Punk und Emo ablieferten. Klar, dass kennt mensch auch hierzulande schon von Bands wie Twin Red (ex-Client.), Rowan Oak (ex-Western Grace) oder den Rollergirls. Rivers & Tides gehen allerdings mit dem (Selbst-)Verständnis der ganz großen dieses Genres zu Werke und schaffen es, den/die Hörer_in mit viel Gefühl, vielleicht auch etwas Theatralik, vor allem aber treibenden Songs mitzureißen. Da stellt sich eigentlich nur die Frage, warum die Band noch kein Label gefunden hat.
Immerhin ist ihre bereits angekündigte dritte EP "Complete", von der es den Vorläufer "Eclipse" bereits auf Stageload zu hören gibt, als Tape-Release über das Wiener Label Featherlight Records geplant. Wenn hier keiner will, dann eben in Österreich.




Young Season

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Auch mit Young Season will die Alternative-Welle in diesem Beitrag einfach nicht abflachen, auch wenn sich die erst kürzlich zusammengeraufte Band aus Hannover etwas mehr im Dreck suhlt, als die vorangegangenen Rivers & Tides. Auf ihrem 4-Song-Demo-Debüt schielen Young Season nicht nur mit einem Augen über den Großen Teich Richtung Gainesville, obwohl die Songs sicherlich auch nochmal für einen guten Antrieb auf dem Skateboard sorgen dürften. Ihre Proberaum-Buddies von Schmutzstaffel sprechen dagegen eine etwas andere Empfehlung aus: "Falls ihr auf Title Fight in schlecht, oder auf No Fun At All in gut steht, dann checkt das mal ab."




In der Kürze liegt die Würze



JaaRi

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Hat sich Dÿse-Drummer Jarii van Gohl etwa eine neue Frisur zugelegt und das als Anlass genommen, gleichmal ein neues Projekt zu starten, nachdem schon sein Mitstreiter An3 Dietrich mit Haik abtrünnig wurde? Dies waren zumindest meine ersten Gedanken, als mein Blick über JaaRi's Bandfoto gleitete und an der linken Seite hängen blieb. Doch dann fiel es mir wie Shuppen von den Augen - die Band JaaRi hat ihren doppelten Vokal auf's A vorgezogen. Als ersten Song präsentiert uns das Hauptstadt-Trio "Interflug", der durch eine Art Alternative-Pop-Punk mäandert und mich vielleicht auch wegen des verhallten Gesangs wirklich stark an das Debüt-Album von Desaparecidos erinnert. Kann gerne so weiter gehen.

DL Song "Interflug"


Acerola

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Post mortem haben Acerola nun endlich auch Bandcamp für sich entdeckt und ihr zweites Album "Meister der Romantik" aus dem Jahre 2007 zum kostenlosen Download freigegeben. Erschien damals als CDr auf den Tru-Punk-Labels Kill All Human Records und Empty Head Records, ihr Debüt-Tape "This Boy is *Acerola*" über Aldi-Punk. Somit dürfte klar sein, was uns mit Acerola erwartet. Eine typische Band aus dem Backkatalog von Greffo Lachpansen (u. A. Lafftrak und Der Kopflose Börsenmakler), Marian Brenneke (u. A. Huchi Can Take It und Affenscheisse) und Neon Bone-Lars: holprig, blechernd, Texte Freischnauze voraus. Kurzum: Asselpunk der dilettantischen Sorte, der damals sogar das Ox-Fanzine zu einem ordentlichen Verriss verleitete: "Schülerband, aus der vielleicht was werden kann, wenn sie mehr übt." Wie wir heute wissen, wurde aus ihnen nichts.

P.S.: So ganz stimmt das natürlich nicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Marian Brenneke einer der führenden Köpfe hinter dem jüngst gegründeten Label Stajner Youth Entertainment, das mit dem Sampler "Die Realität muss sterben, damit wir leben können" einen furiosen Start hinlegte.

DL Meister der Romantik LP


Schnulz

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Die Bezeichnung dilettantisch dürfte das Frankfurter Duo Schnulz dagegen wohl eher als Kompliment aufschnappen. Auf ihrem Debüt-Album "Schnulzianic Ohmacht" entgleiten die Songs stellenweise gen Opernbühne, driften an anderer Stelle ins Musikantenstadl ab oder finden sich im Gangster-Rap wieder. Ich stelle mal die waghalsige Vermutung auf, auf ein nicht ganz ernstgemeintes Album gestoßen zu sein, dass vielleicht Diejenigen mit offenen Armen in Empfang nimmt, denen Knorkator, Alfons Bauer und Cindy aus Marzahn schlichtweg zu ernst sind.

DL Schnulzianic Ohnmacht


Dienstag, August 2

Vlimmer - Loslösung EP



Band: Vlimmer

Titel/Release: Loslösung/EP (Digital)

Label: Last Day Deaf

Erscheinungsjahr: 2016


Genre: Cold Wave, Krautrock, Post-Punk, Electronica, Drone, Noise-Pop, Dream-Pop

FFO: Soft, Love in Prague, In Death It Ends, L'Avenir

Links: Facebook\\//Last.fm



Kurzinfo:

Seit den Veröffentlichungen seiner Alben "Michigan" und "Illinois" kursiert das heiß umstrittene Gerücht, dass Sufjan Stevens auch den restlichen US-Bundesstaaten ein Album widmen möchte. Auch, wenn dieses Gerücht vor allem durch die abweichenden Themen seiner zahlreichen Folge-Werke mittlerweile entkräftigt sein dürfte, ist dem amerikanischen Singer/Songwriter die 50er-Release-Marke durchaus zuzutrauen. Mit dem Indie-Folk-Art-Pop des Herrn Stevens hat Vlimmer, ein weiteres Solo-Projekt von Alexander Donat, nicht wirklich viel gemein. Allerdings kündigte dieser mit den zeitgleichen Veröffentlichungen der beiden Vlimmer-EP's "I" und "II" an, dass auch dieses Projekt etwas größer angelegt ist. So sollen in den nächsten Jahren 16 (!!) weitere EP's folgen, von denen die Nummern "III" und "IIII" bereits im Katalog seines Labels Blackjack Illuminist verankert sind. Und wie wir den rastlosen Alex auf unserem Blog nun schon kennenlernen dürften, werden daraus sicherlich 30.
Ein erster Ausreißer aus diesem Manifest ist nun also die EP "Loslösung", die exklusiv und digital als kostenloser Download über das griechische Netlabel Last Day Deaf erscheint. Abgesehen davon, lassen sich aber durchaus noch andere Unterschiede zum bisherigen Schaffen des Königs-Wusterhauseners ausmachen. So wirkt "Loslösung" insgesamt wesentlich minimalistischer und unterkühlter, als die vorherigen vier Vlimmer-EP's. Vom Opener "Hinabgezogen" steht anfangs nur ein wackeliges Song-Skelett, dass sich vorsichtig seinen Weg durch dichte und nass-kalte Nebelschwaden bahnt und schließlich doch noch die eingänge Struktur findet. Der morbide, klaustrophobische Einstieg von "Losgelöst" zieht den/die Hörer/in jedoch postwendend in den düsteren Abgrund hinab und somit zur Erkenntnis zurück, dass auf "Loslösung" nur wenig so ist, wie es scheint. Mit flächig-verhallten Synthies, tropfsteinartigen Pluckerbeats und einer monoton-schwebenden Stimme, scheint uns der fast schon sakral wirkende Song immer tiefer in ein unterirdisches Labyrinth zu locken, in dem nichts als Ungewissheiten und trügerische Leeren auf uns warten. "Begraben" kommt schwungvoller in Gang, wenngleich einem/einer die verzerrten Gitarren wie ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Noch immer ist nicht so ganz klar, ob die mystische, über alles thronende Stimme gut- oder schlechtgesinnt ist und wohin der Weg führen soll. Gitarren und Electronicas türmen sich post-rockig auf und leuchten einen vermeintlichen Weg aus der Finsternis. Ein Trugschluss, wie so vieles auf "Loslösung", denn auch "Aufgelöst" sickert wie eine konturlose Amöbe durch die Erdschichten hinab. Nach eigenen Angaben ist Vlimmer - neben Fir Cone Children - ein Projekt, mit dem sich Alex nun wieder der melodiösen Seite seiner Musik annähern will. Der leicht angeschrägte Closer "Zeitentschleunigt" ist sicherlich der EP-Song, der das am deutlichsten zum Vorschein bringt. Doch trotz der insgesamt kühlen Atmosphäre, die sich wie ein düsterer Schleier über die gesamte EP ablegt, finden sich auch in den vorherigen vier Songs durchaus melodische Momente wieder. Diese zu entlarven, liegt allein beim/bei der Hörer/in und wie gut er/sie sich darauf einlassen kann.

Das EP-Artwork entstammt übrigens der kreativen Ader von Bernardino Constantino (siehe u. A. The Lost World of Duccio, Absurd World of Duccio, Prossimo A Disintegrazione), der seine Dienste auch schon für die beiden letzten Fir Cone Children-Releases zur Verfügung stellte.

DL & Stream "Loslösung"

Freitag, Juli 29

Video Kills the Radio Star Vol.3


East Indian Elephant


Ihre Debüt-EP "Columbus never had a bicycle" war ein buntes Potpourri verschiedener Stileelemente, die sich lose um das Hauptgenre Indie versammelten. Zwei Jahre später kündigt der Bochumer Vierer East Indian Elephant nun endlich seine zweite EP an, die scheinbar bereits Ende letzten Jahres von Nico Vetter im Rahmen seiner prettylivesessions. komplett aufgenommen wurde. "Wooden Bones" heißt der erste Vorreiter, der sich anfangs noch etwas Wave-lastig dahinschleppt, durch ein Cello einen melancholisch-trüben Anstrich verpasst bekommt und schlussendlich schließlich nochmal post-rockig explodiert. Macht auf jeden Fall neugierig.

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Kefka Palazzo



Ihre Debüt-EP "Wer du bist ist nicht genug" haben die vier Münchener Jungs von Kefka Palazzo ja bereits letztes Jahr über Midsummer Records veröffentlicht, aufgrund eines Label-Fauxpas' anfangs noch unter dem Titel "Kefka Palazzo". Kann passieren und ändert ja schließlich auch nichts an der Musik, denn wo Kefka Palazzo drauf steht, ist nämlich nach wie vor "Deathindieschlagercore" drin. Das lässt sich natürlich auch wesentlich weniger verstörend erklären, z. B. als eine gesunde und frische Mischung aus Alternative, Indie und Emo(core), die von Kurt Ebelhäuser und Philipp Welsing in die passende Form gepresst wurden.

K. Ate meint dazu übrigens: "Mit dem Sänger hab ich mal gepoppt. Singen kann er besser!" (zum Vergrößern und selber lesen auf's Bild klicken).

Zum Glück geht es uns nur um die Musik.




December Youth



Findet ihr's nicht auch langsam seltsam, dass in diesen Videobeiträgen das Label Midsummer Records ziemlich oft vertreten ist? Da läuft aber nichts, ich schwöre! Liegt vielleicht auch bloß daran, dass das saarländische Label nunmal in den letzten Jahren ziemlich viele, gute Bands an Land gezogen hat. December Youth zum Beispiel, die bei uns bereits mit ihrem Demo zur Ansprache kamen und nun ihren ersten Longplayer nachgelegt haben. "Relive" ist in Sachen Liebesbeziehung zwischen Melodic- und Post-Hardcore sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades, dafür aber eine ziemlich intensive und souveräne Angelegenheit. Somit empfehlenswert für Genre-Fans, die dem Namedropping weniger kritisch gegenüber stehen. Welche Namen das sind, kann jeder/jede mit sich selbst ausmachen.



PAAN feat. BATTRA//



Ok, wenn die Progressive-Math-Hardcoreler PAAN und die Penner-Meth-Violencer von BATTRA// für einen Sommerhit gemeinsame Sache machen, dann kann mensch eigentlich mit so ziemlich allem rechnen, gewiss aber mit dem Schlimmsten. "Jeff Ray" lässt mich dennoch vor Ehrfurcht erstarren. Chapeau!


Montag, Juli 25

Platte des Monats 07/2016: Masada - Masada LP



Band: Masada

Titel/Release: Masada/Album (Black Vinyl, Digital)

Label: I.Corrupt.Records, Dingleberry Records, Ruined Smile, Rubaiyat Records, Upwind Productions & Zine, Dont Care Records

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Screamo, Hardcore, Punk, Emo(violence)

FFO: Louise Cyphre, Daïtro, Lilith, Lost Boys, Rêche

Links: Bandpage\\//Bandcamp



Kurzinfo:

Es gibt zwei Gründe, warum Masada's selbstbetitelte Debüt-LP zu überraschen weiß: 1. Da seit ihrem Demo fast genau zwei Jahre ins Land gezogen sind und sie zwischenzeitlich fast vollkommen von der Bildfläche verschwunden war, hätte mensch die Band aus Erlangen auch leicht aus den Augen verlieren können. 2. "Masada" kann mit ruhigem Gewissen wohl als eines der außergewöhnlichsten Screamo-Alben der letzten Jahre bezeichnet werden, da es immer genau dann die Richtung wechselt, wenn mensch nicht zwangsläufig damit rechnet.
"Uneindeutigkeiten", der Opener der LP, stellt dem zu Beginn grummelnden Bass eine quietschende Gitarre zur Seite und erzeugt somit schonmal etwas Aufregung, ehe es mit dem hektischen Schlagzeug und dem wüsten Gekreische auch schon ordentlich zur Sache geht. Erst langsam rückt aus dem Instrumentengeschreddere eine harmonische Wohlfühlmelodie in den Vordergrund, die den Song zum Ende hin völlig vereinnahmt und stellenweise sogar von melancholischem Gesang begleitet wird. Bis auf den cleanen Gesang, knüpfen Masada bis hierher an jüngere Heldentaten von kishote oder Piri Reis an, die ihre berstenden Emoviolence-Attacken ebenfalls mit reichlich Melodie-Gespür aufpolieren. Und trotzdem lässt sich das nur bedingt vergleichen, da das mittelfränkische Quartett dieses Hochgeschwindigkeitsgehacke nicht über das gesamte Album hinweg ausbreiten will. Ein Song wie der kurze, düstere Krachblizzard "Schwärzester Punkt" bleibt in seiner Kompromisslosigkeit eher die Ausnahme. Vielmehr zerlegt die Band auf "Masada" den scrEaMO in seine Einzelteile, indem sie überwiegend schnelle Krachorgien und gefühlvolle Passagen wohl dosiert kombinieren und deren Anteile von Song zu Song neu gewichten. Sicherlich lassen '00er-Bands wie RAEIN oder Daïtro aus der Ferne grüßen, aber irgendwie sind auch diese Screamo-Veteranen kein 100%-iger Vergleich. Wie gesagt, Masada haben sich mit einem außergewöhnlichen Album  zurück gemeldet, das trotz der langen Zeit für seine Vollendung, eben solche nicht unnötig verschwenden will. "Defeat" und "Fragments", die Quasi-Emo-Ballade der Band, tun es dem Opener gleich und verzücken zwischenzeitlich mit emotionalen Gesang und fast schon massentauglichen Melodien. Andere Genre-Vertreter würden an dieser Stelle vielleicht eine Chance wahrnehmen, ihren Bekanntheitsradius etwas zu erweitern. Nicht so bei Masada, die fast schon schizophren und willkürlich zwischen den Polen Screamo-Emo und chaotisch-plänkelnd umherspringen, als ob die Band urplötzlich aus einer Art Trance erwacht, ehe es zu gemütlich werden könnte. Gemütlichkeit ist eben keine gute Referenz für den Punk.

DL Masada LP Here & Here

Buy LP Here, Here, Here, Here, Here & Here or via Mail to: masadapunx@gmx.de


Freitag, Juli 22

...tot aus dem Wald - Adresse: Friedhof



Band: ...tot aus dem Wald

Titel/Release: Adresse: Friedhof/Album (Digital)

Label: DIY/Bandcamp

Erscheinungsjahr: 2016

Genre: Powerviolence, Noisecore, Hatecore, (Black-)Metal

FFO: ganz viel unausstehlichen Krach, Pressluftgehämmere, Turtle Rage, Motorsägen, Kotzen, Eichhörnchen

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Kurzinfo:

Fremde Menschen, die ihnen ihr Herz ausschütteln, über wahnwitzige Verlustängste philosophieren oder einfach nur einen Unparteiischen für ihre Beziehungsprobleme suchen. Und manchmal vielleicht auch ein paar hoffnungslose Fälle, die sich aus Angst vor vermeintlicher Überfremdung oder weil das Päkchen Kaffee mal eben wieder um ein paar Cent teurer geworden ist, am Rande ihrer Existenz gedrängt sehen. Keine Frage, um sich in diesem Maße mit den Problemen anderer herumschlagen zu können, braucht es sicherlich schon einiges an Geduld und dickem Fell. Doch wer therapiert eigentlich die Therapeuten? Für Falk Hummel alias ...tot aus dem Wald ist nach wie vor die Musik die beste Therapie, oder besser gesagt, ein Druckablassventil. Auch sein viertes Album "Adresse: Friedhof" ist ein kathartischer Orkan aus manischen, nihilistischen und misanthropischen Wahnvorstellungen, vielleicht spiegelt sich darin sogar etwas Satanismus wider. Dennoch ist es nicht der gehörnte Rothäuter, der hier seine hässliche Fratze offenbart, sondern vielmehr die seelischen Abgründe und die Neugier nach dem Bösen, das irgendwo in jedem von uns schlummert. Zumindest irgendwie.
Die 4. Sitzung dauert keine elf Mintuen, 1/5-tel davon in etwa vereinnahmt der Krimi-Nostalgiker gewohnt durch stimmiges Gesample. Die Mixtur seiner Raserei nistet auf einer soliden Basis aus Powerviolence, Noise- und Grindcore, von der aus er, grob überflogen, recht eingängige Songs von der Leine lässt. "Larvae, Du schwarzer Höllenwurm", "die Kunst abscheulicher Dinge" und "aus Deinen Augen fließt Absinth" machen in diesem Sinne kurzen Prozess und schneiden sich mit messerscharfen Riffs durch den Gehörgang. Wesentlich sadistischer für den geneigten Stilpuristen zeigt sich da schon die zweite Albumhälfte, mit der "Adresse: Friedhof" mehr am experimentellen Vorgänger "Rendezvous der Finsternis" anknüpft, als an den beiden davorigen Alben. "triebhaft und bigott" ist ein exzessiv-psychotischer Freak-Out, ähnlich wie die Vorstellung, auf dem Mond herumzuspazieren, nur andersrum (??), und "hässlich sind die Menschen" mündet nach anfänglicher Stahlwerkidylle doch noch in einer rockigen Melodie. Zum Abschluss gibt's  mit "den Seinen gibt's der Herr im Schlaf" noch eine kleine Cybergrind-Einlage, während sich der Closer "die Nacht hat tausend Augen" mit einigen Downtempo-Ausflügen nochmal richtig Zeit lässt. Also, 1:38 min., was für die Verhältnisse des Kölners fast schon episch ist. Schön, dass du noch nicht explodiert bist, Falk.

DL Adresse: Friedhof


Dienstag, Juli 19

Gesplittet, Teil 13


te:rs & Tempano Split-7inch



Scheint da etwa zwischen Koepfen und der spanischen Gruppe Tempano eine neue Liebe entflammt zu sein? In Planung steht nicht nur ein Diskografie-Tape, das die Songs der beiden Split-LP's mit ihren Landsmännern La Tumba de Nicolas Cage und Eros+Massacre vereinen soll. Erst kürzlich erschien über dem Wiesbadener Label (u. A. noch Dingleberry, lifeisafunnything und Pifia Records beteiligt) auch die Split-EP mit den Göttinger Jungs und Mädels von te:rs, die jeweils einen neuen Bandsong parat hat und auf grüner Kurzrille in drei verschiedenen Cover-Farben (100x cream/light brown, 100x coconut/dark brown & 347x old grey) daherkommt.
Auf der vorangegangenen Split mit den Madrilenen Eros+Massacre kam das Trio aus Torrelavega bei den Kritikern nicht ganz so gut weg, vielleicht auch, weil sich beide Bands in unterschiedlichen Ecken des Post-Hardcores austoben. Kein Grund, den Kopf voreilig in den Sand zu stecken, denn mit ihrem Song "Pasajes de desencanto" zeigen Tempano erneut, dass ihnen Konventionen relativ weit am Hinterteil vorbeigehen. So stürmt der Song mit fiesem Duett-Gekeife und düsterem Geschrammel gleich zu Beginn mit der Tür ins Haus und zieht Elemente des Emoviolence, Screamos und Black Metals gehörig durch den Fleischwolf, ehe mit bedächtigen Post-Rock-Geplänkel der finale Ausbruch eingestimmt wird.
Mit dem niedersächsischen Vierer te:rs in der Konstellation Männer-Frauen halb und halb, haben sich Tempano diesmal einen Split-Partner geangelt, der den Post-Hardcore/Screamo in einer ähnlich a-puristischen Weise angeht. Im Gegensatz zum spanischen Song, wirkt "Melodies & Crazes" weitaus subtiler. Ein sehr stoisch instrumentierter Song, der selbst in den Phasen, wo Sängerin Nora inbrünstig aus ihrer Haut fährt, nicht die Kontrolle über das melodische Gitarrenspiel verliert.

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Tempano: Facebook\\//Bandcamp

DL Complete Split-EP Here & Here

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Temple Steps & Wreck

Temple Steps aus dem englischen Lincoln und die Landauer Wreck trotzen dem Brexit und beweisen zumindest musikalische Einigkeit. Zu hören gibt's zwei Variationen des Doom-/Sludge-Metals, die uns schonmal hervorragend auf die bevorstehende dunkle Jahreszeit einstimmen und sich durch finstere Abgründe schleppen.
Den Weg hinab ebnet uns das englische Duo Temple Steps mit knapp fünfzehneinhalb Minuten düsterem Songmaterial. Dessen Schlagzeug spielende und growlende Hälfte Mike Shields ist ein umtriebiges und äußerst aktives Mitglied der regionalen Hardcore-Szene, spielte u. A. schon bei den Post-Metallern Flatlands und den trompetenden Post-Hardcorelern The Slow Blade, hilft beim organisieren von DIY-Shows und ist einer der Hauptakteure bei Ninehertz. Viel Erfahrung also, die sich auch im routinierten Sound von Temple Steps widerspiegelt, wobei die provozierte, düster-flächige Monotonie immer wieder von dezenten Post-Metal-Anleihen und groovenden Stoner-Gitarren aufgerissen wird.
Ein Geduldsspiel liefert auch das pfälzische Trio Wreck ab, deren zwei Songs etwas mehr als dreizehn Minuten abverlangen. Ihr Opener "On the Gallows" ist zwar nicht darum bemüht, die dunkle Grundstimmung aufzulockern, wirkt mit hartem Riffing und vollerem Gebrülle dennoch etwas kolossaler und vielschichtiger. Hier dringen am Ende des Songs nicht nur die Abwechslung bringenden Synthezizer durch, sondern auch ihre Referenzen zu 80er-Jahre-Death-Metal-Bands. Das depressive, fast schon misanthropische "Unleash the Drones" läutet schließlich endgültig den Herbst ein. Schon verrückt, diese Wetterschwankungen.
Tolles, unheilvoll-kryptisches Cover-Artwork vom Band-Bassisten Rainer Steve Kaufmann (u. A. für The Necronautics) übrigens, das eigentlich ausgedehnt auf LP-Format gehört. Vorerst aber erscheint die Split auf Tape in drei verschiedenen Farben: 75x gelb über Wreck; 75x schwarz über Temple Steps; 50x grün über Vetala Productions.

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East Sherman & Déformer Split-EP


Ein Déformer<->East-Sherman-Split-Release macht nicht nur Sinn, weil beide Knüppeltruppen aus Spokane, WA stammen, sondern auch, weil sich einige Mitglieder noch aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Bad Hex kennen. Glücklicher Weise ist das beiden Bands nicht anzuhören, was ihr Split-Tape zu einem abwechslungsreichen, wenngleich kurzem Vergnügen werden lässt.
East Sherman sind auf der A-Seite mit einem Song vertreten, der nach anfänglicher Black-Metal- und Crust-Raserei plötzlich die Notbremse zieht und fortan durch düsterem Downtempo-Hardcore und Doom mäandert. Für mehr Vielfalt sorgt der wechselnde Growl-Kreisch-Mix von Katharine Cheevers, die ansonsten gerne auch mal mit ihrem Cello bei artgenössischen Gruppen wie die eingangs erwähnten Bad Hex oder A God or an Other aushilft, und Avery Strobel (u. A. Vociferii), die beide nebenher noch ihr Pagan-Folk-Projekt Crow's Head unterhalten. 
Déformer orientieren sich mit ihren zwei Songs auf der B-Seite an vergangene Screamo-Legenden wie Daïtro, Hot Cross oder La Quiete. In schöner DIY-Manier schrammelt sich das Gitarre-Schlagzeug-Duo durch aufgeregte Melodien, die redlich darum bemüht sind, mit möglichst vielen Taktwechseln für etwas Unruhe zu sorgen. Screamo ist eben nichts Couch Potatoes.

East Sherman: Bandpage\\//Facebook\\//Bandcamp

Déformer: Facebook\\//Bandcamp

Wer A-SEITE sagt, muss auch B-SEITE sagen

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Space Camp & Dérive COLLAB-EP


Die beiden amerikanischen Bands Space Camp und Dérive sind nicht nur in ihrem jeweiligen Experimental-Sound außergewöhnlich, sie gehen auch ihr gemeinsames Release anders an, als die vorstehenden Vertreter. "COLLAB" ist, wie der Titel bereits verrät, eine Kollaboration, bei der zwei Songs von den insgesamt acht freigeistlichen Mitgliedern beider Bands zusammen ausgetüftelt wurden und im Anschluss jede Band jeweils einen Song der anderen covert. Das mag hier zwar wie die Faust auf's Auge passen, da beide Gruppen in etwa einen irrwitzigen Genre-Mix aus Art-Noise-Punk, Avant-Funk, Indie und Post-Hardcore fabrizieren. Bei dermaßen vielen Einflüssen, lässt sich bei den gemeinsamen Songs aber auch recht schlecht herausfiltern, welcher Anteil von wem kommt. Was zum Beispiel bei Isis und Aereogramme auf ihrer "In the Fishtank"-EP wunderbar miteinander harmonierte, führt das bereits vorherrschende verrückte Durcheinander von Space Camp und Dérive nur noch auf einen neuen Höhepunkt. Auch beim gegenseitigen Nacheifern geht's ausschließlich darum, einen bereits kaputten Originalsong den Rest zu geben. Absolut schwer verdauliche Kost.

Space Camp: FCBK\\//BNDCMP\\//TWTTR\\//LSTFM

Dérive: AAE\\//AEOO\\//AA\\//IE

DL Split-EP Here & Here

Jahres-Sampler